Startseite | zfv | Grenzvermessung und -abmarkung im Spätmittelalter am Beispiel einer illustrierten Handschrift um 1400

Grenzvermessung und -abmarkung im Spätmittelalter am Beispiel einer illustrierten Handschrift um 1400

Dieser Beitrag ist in der zfv 3/2017 erschienen.

Zusammenfassung / Summary / kostenfreier PDF-Download
Zusammenfassung: 

Für die Geschichte des Vermessungswesens ist eine in Südfrankreich verwahrte, um 1400 von Bertrand Boysset (um 1345 – um 1416) verfasste Handschrift von größter Bedeutung. Darin werden nämlich nicht nur die spätmittelalterliche Landvermessung und Abmarkung in zwei Traktaten in provenzalischer Sprache (»La siensa de destrar« und »La siensa d’atermenar«) ausführlich erläutert, sondern zugleich auch mit mehr als 180 kolorierten Illustrationen bebildert. Das eindrucksvolle Manuskript, das zu didaktischen Zwecken erstellt wurde, dokumentiert neben der eigentlichen Vermessung im Gelände insbesondere auch die Grenzsteinsetzung. Dennoch ist es im Geiste seiner Zeit einzuordnen: Die einzigartige Darstellung, in der Jesus Christus dem Landvermesser in der maßvollen Welt eine Messlatte überreicht, ist im theologischen Sinne des »Deus Geometra« zu deuten, der alles »nach Maß, Zahl und Gewicht« (Buch der Weisheit 11,20) ordnet und hier dem menschlichen Geist als »Maß aller Dinge« die Kunst des Vermessens überträgt.

Summary: 

For the history of surveying a manuscript stored in Southern France and written about 1400 by Bertrand Boysset (~1345 – ~1416) is from high significance. Therein not only late medieval field measurement and boundary marking is explained elaborately in two treaties in the Provençal language (»La siensa de destrar« and »La siensa d’atermenar«), but at the same time it is also visualised impressively in more than 180 coloured illustrations. The impressive manuscript, which was provided for didactical reasons, shows besides surveying in the field particularly also the setting of boundary stones. Nevertheless, the manuscript has to be estimated in the spirit of the age: The unique depiction where Jesus Christ hands out the rod to the land surveyor, can be interpreted in the theological sense of the »Deus Geometra«, who orders everything »in measure, number, and weight« (Liber Sapientiae 11,20) and here transmits the art of surveying to the human mind as »measure of all things«.

Beitrag als PDF: 
DOI: 
10.12902/zfv-0159-2017