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Geodäsie in Zeiten des Wandels – Versuch einer Standortbestimmung

Dieser Beitrag ist in der zfv 4/2014 erschienen.

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Zusammenfassung: 

Die Geodäsie ist eine messende Wissenschaft. Es gehört zum Standard geodätischen Arbeitens, die erzielten Ergebnisse mit der dazugehörigen Genauigkeit und Zuverlässigkeit darzustellen. Diese Sorgfalt erklärt die anerkannte Rolle des Geodäten als Notar der Erde. Raumfahrt, Automatisierung und neue Messverfahren haben die Möglichkeiten der Geodäsie fundamental erweitert. Man könnte diese Entwicklung als »Eroberung der Dimension Zeit« zusammenfassen. Der Wandel der Kartographie von der reinen Geländedarstellung zu hochmobilen personalisierten Karten, die Rolle moderner Zeitmessverfahren in der astronomischen Geodäsie oder die Erweiterung der Aufgaben der ordnenden Geodäsie zum Land- und Stadtmanagement sind Belege dieser Entwicklung. Mit den modernen Werkzeugen entstanden neue Aufgaben und Möglichkeiten. Man denke an die aktuellen und sehr wichtigen Beiträge der Geodäsie bei der Erforschung des Klimawandels, z.B. die Bilanzierung des Eismassenverlusts der Antarktis und Grönlands oder die Quantifizierung des Meeresspiegelanstiegs, und gleichermaßen an das drastisch erweiterte Aufgabenspektrum der ordnenden und planerischen Geodäsie, national wie global. Gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern ist der gesicherte und geordnete Zugang zu Grundeigentum ein Schlüsselthema der Zukunftsvorsorge. Eine Neubesinnung auf die gemeinsamen Grundlagen unseres Faches ist eine wichtige Voraussetzung, die Breite und Tiefe der neuen Anforderungen an die Geodäsie zu bewältigen.

Summary: 

The basis of geodetic science is its measurements. It is a geodetic trademark to present measured results always together with their estimates of accuracy and reliability. This diligence explains the geodesist’s role as notary of our earth. Space age, automation and new measurement methods have opened fundamentally new opportunities. One could say: geodesy has turned from three dimensional to four dimensional. The change in cartography from pure terrain representation to highly mobile and person-centered maps, the role of modern time keeping in astronomical geodesy or the added challenges in land and city management are proof of this development. New geodetic tools created new opportunities. Today geodesy makes profound contributions to climate research, such as a solid mass balance of the current ice losses in Antarctica and Greenland, or reliable estimates of sea-level rise and its causes. At the same time we observe a significant increase of tasks in the field of land tenure and land management, both nationally and globally. Secure and orderly access to land property is key to the economic development in developing and emerging countries. No doubt, geodesy is in great shape. However, the width and depth of all the new challenges in geodesy will require a deep re-analysis of its common grounds.

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DOI: 
10.12902/zfv-0034-2014